Compliance - Was ist das überhaupt?

Nicht selten beginnt eine Compliance-Diskussion bereits mit Einzelfragen, ohne vorher überhaupt die Grundlagen zu klären. Was also verbirgt sich hinter dem Begriff Compliance?

Allgemein wird meist die Pflicht zur Befolgung der „relevanten Regeln“ im Unternehmen unter „Compliance“ verstanden. Neben dieser Pflicht umschreibt der Begriff Compliance aber auch die organisatorische Sicherstellung der Übereinstimmung des Handelns der Mitarbeiter mit relevanten Vorschriften.

Diese “relevanten Vorschriften” können drei verschiedene Dimensionen umfassen. Ohne Zweifel sind die für das Unternehmen geltenden Gesetze relevant. Oft ist die rein rechtliche Dimension einer Legal Compliance dabei allerdings nur ein, wenn auch wichtiger, Ausgangspunkt für den Compliance-Begriff. Weitere Normen, mit welchen die Übereinstimmung innerhalb des Unternehmens sichergestellt werden sollen, sind gesellschaftliche Regeln und allgemeine ethische Wertvorstellungen als (Societal) Compliance sowie interne Grundsätze, Vorgaben und Richtlinien der Zentrale als Richtlinien-Compliance. Legal Compliance ist unumstrittenerweise in einem demokratischen Rechtsstaat Pflicht des Unternehmens und seiner Mitarbeiter, Verfehlungen werden durch den Staat verfolgt und geahndet. Weniger verbindlich ist die Societal Compliance als moralische Wertvorstellung. Die Richtlinien-Compliance schließlich ist jedem Unternehmen selbst überlassen.

Nicht immer sind jedoch alle drei Dimensionen auch im Compliance-Begriff in Unternehmen enthalten bzw. in einer Compliance-Abteilung zusammengefasst. Die Deutsche Bahn versteht z.B. alle drei Dimensionen unter Compliance:  „Compliance beinhaltet die Befolgung und Einhaltung aller Vorschriften, die Grundlage für Integrität im Geschäftsverkehr sind: Rechtsnormen, interne Anweisungen und Richtlinien, aber auch ethische Grundregeln“. Andere Unternehmen sehen Compliance nur als Legal Compliance und ordnen die beiden anderen Dimensionen auch organisatorisch anderen Abteilungen zu. Während Societal Compliance oft dem Bereich Corporate Social Responsibility zugerechnet wird, gehört die Einhaltung der internen Richtlinien oft in den Bereich Organisation. 

Compliance-Instrumente“ oder “Compliance-Maßnahmen“ sind alle betrieblichen Vorkehrungen mit dem Ziel, die volle Compliance (in der jeweiligen Definition) des Unternehmens zu erreichen. “Compliance-Programme” sind in diesem Sinne eine Ansammlung von verschiedenen Einzelmaßnahmen, die in ihrer Gesamtheit “Compliance” erreichen sollen. Eine gesetzliche Vorschrift, nach der ein Unternehmen zur Einführung von bestimmten Compliance-Instrumenten ausdrücklich angehalten wäre, besteht in Deutschland allerdings nicht. Mitunter wird versucht, eine derartige Pflicht aus verschiedenen weiteren Regelungen abzuleiten (Z.B. für Aktiengesellschaften aus §§ 93 Abs. 1 AktG).

Vor allem in der Praxis wird Korruption oft als einer der entscheidenden Auslöser für die Notwendigkeit von Compliance bezeichnet. Als Beispiel kann wieder eine Aussage der Deutsche Bahn angeführt werden: „Korruption fügt erheblichen Schaden zu. So kommt Compliance eine immer größere Bedeutung zu.“ Tatsächlich definiert sich Korruption meist auch als abweichendes Verhalten innerhalb eines organisatorischen Kontextes, wobei oft noch weitere einschränkende Bedingungen hinzu kommen, so dass Korruptionsbekämpfung in Unternehmen als eine Untergruppe von Compliance bezeichnet werden kann. Compliance selbst wird hingegen oft als eine Untergruppe von Corporate Governance verstanden.  Ein weiterer verwandter Begriff ist Wirtschaftskriminalität, was alle Verstöße gegen die Wirtschaftsordnung und damit viele der als non-compliant aufgefassten Sachverhalte umfasst. Im allgemeinen Verständnis bildet Wirtschaftskriminalität allerdings meist nur die rechtliche Legal Compliance Dimension ab. Selten wird als Synonym für Compliance auch noch der deutsche Begriff “Komplianz” verwendet.

Weitere Einführungen in die Begrifflichkeiten “Compliance” und “Compliance-Management” finden sich in allen der hier angeführten Bücher.

Neben dieser betriebswirtschaftlichen Definition von Compliance gibt es auch noch weitere Bereiche, in denen der Begriff mit teilweise völlig unterschiedlicher Bedeutung verwendet wird. Sehen Sie dazu die Hinweise zu Compliance in der Medizin, Compliance in der Physiologie, Compliance in der Mechanik und Cross Compliance.

  • Share/Bookmark

Jetzt kommentieren!